Jubiläumsfeier statt Auflösung
Wie Phoenix aus der Asche startet der Obst- und Gartenbauverein Gammelshausen in eine neue Zukunft. Die war in den letzten Jahren unsicher. Vor einem Jahr gab Bürgermeister Daniel Kohl bei einer Einwohnerversammlung seiner Hoffnung Ausdruck, der Verein möge neuen Schub bekommen. Und lange davor schon gab es einen sorgenvollen Bericht im Mitteilungsblatt: Wenn's so weitergeht, droht die Auflösung. Und das bei einem Verein, der für die Obstbaugemeinde Gammelshausen steht und auf die hundert Jahre zugeht.
Mehr als unsicher sah es aus, blickt der Schultes zurück. "Stagnierende Mitgliederzahlen und ein vergleichsweise hohes Durchschnittsalter der Mitglieder sorgten dafür, dass Vereinsaktivitäten wie Arbeitsdienste bei Festen oder Ausflüge nicht mehr stattfinden konnten." Selbst der traditionelle Apfelhock, bei dem der Verein der Obstbaugemeinde Glanz verlieh, musste schon ausfallen. Es waren einfach zu wenig Helfer. Allerdings hat sich der Verein auch immer mächtig ins Zeug gelegt, den Apfelhock mit einer Obstschau zu bereichern.
Ämter zu besetzen, fiel dem Verein zunehmend schwer. „Wir waren sehr in Sorge um unseren OGV“, so Klaus Naser, Schriftführer des Vereins und selbst Baumwiesenbesitzer. Er kann sagen, dass man bereits die Auflösung des Vereins diskutiert hatte. Sowohl Bürgermeister Daniel Kohl als auch Sigrid Erhardt, Geschäftsführerin des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine, appellierten mehrfach für die Fortführung des Vereins. Weil der zum Dorf gehört. Und weil es nicht sein darf, dass so eine Tradition so dicht am 100. Geburtstag einfach endet. Das Vereinsjubiläum steht nächstes Jahr an.
Doch wie gewinnt man neue Mitglieder, um den Verein für die Zukunft aufzustellen und wie kann man den Verein anders denken? Mit diesen Fragen habe man sich intensiv beschäftigt, berichtet Kohl. In Sitzungen hat man sich damit beschäftigt. Persönliche Ansprachen aller Akteure, Aufrufe bei Veranstaltungen und etwas Zeit – darauf verständigte man sich innerhalb des Vereins. Mit Erfolg, wie die Vereinsführung vor wenigen Tagen im Rahmen ihrer Hauptversammlung zu berichten wusste: Elf neue Mitglieder in zwei Jahren, darunter auch viele junge Menschen, ist die erfreuliche Bilanz aus der gemeinsamen erfolgreichen Akquise.
Mehr noch: Einige davon erklärten sich spontan bereit, mit neuen Ideen auch Ämter im Ausschuss zu übernehmen. „Man spürte förmlich die Aufbruchstimmung“, so Kohl, der sich sehr darüber freut, dass der Obst- und Gartenbauverein in diesem Jahr wieder traditionell am 3. Oktober zum Apfelhock einladen kann, und im kommenden Jahr „gestärkt seinen 100. Geburtstag feiern möchte“. Ein Festausschuss soll entstehen, zudem eine Internetseite und die Idee eines regelmäßigen, aber ungezwungenen OGV-Stammtischs steht im Raum.
Von der Aufbruchstimmung kündet auch, dass es eine Neuauflage einheitlicher Vereinsshirts geben soll. So kann es mit neuem Stolz an Arbeitsdienste gehen und auch wieder eine gesteigerte Präsenz. Die Vereinsführung steht. Vorsitzender ist Bernhard Rieker, er hat dieses Amt nach fast vier Jahrzehnten von seinem Vater Heinz übernommen. Sehr zur Freude seines Vaters, der für den Obst- und Gartenbauverein gelebt hat. "Die Jungen müssen ran", hat er sich gewünscht. Bernhard Rieker ist froh über die Unterstützung, die er „von allen Seiten“ erfahre. „Diese Entwicklung lässt uns alle hoffen, dass der OGV auch in Zukunft fester Bestandteil des aktiven Vereinslebens in Gammelshausen bleibt“, so der Landwirt, der mit Freude auf das Jubiläumsjahr 2026 blickt.